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To Kill a Mockingbird - Harper Lee Lee Harper Lees „To kill a mockingbird“ habe ich mir vor einem Jahr bei einer Aktion auf Amazon.de gekauft. Bisher stand es unbeachtet in meinem Regal. Ich wollte es zwar unbedingt einmal lesen, habe mich aber nicht so recht rangetraut. Da ich, nachdem ich „Clockwork Angel“ von Cassandra Clare gelesen hatte, wollte ich unbedingt noch ein Buch im Original lesen und fing deshalb „To kill a mockingbird“ an.

Es geht um Jem und Scout Finch, zwei Geschwister, die in den 1930er Jahren in einer Kleinstadt in den USA aufwachsen. Erzogen werden die beiden von ihrem Vater Atticus, der Anwalt ist und seine Kinder nach bestem Wissen und Gewissen alleine großzieht, nachdem seine Frau vor vielen Jahren starb. Mit im Haushalt lebt die schwarze Köchin Calpurnia, die den beiden manches Mal als Mutterersatz dient.
Jeden Sommer verbringt Dill, ein Junge, der bei seinem Vater und dessen neuer Freundin lebt, in Maycomb County und freundet sich schnell mit Scout und Jem an. Das Rätsel um Boo Radley, den Jungen der Nachbarsfamilie Radley, den seit vielen Jahren niemand das Haus verlassen sah, treibt die Kinder ganze Sommer lang um.
Doch als Atticus die Verteidigung Tom Robinsons übernimmt, der als schwarzer junger Mann angeklagt ist, eine weiße junge Frau vergewaltigt zu haben, hat das auch Folgen für Jem und Scout und alles andere wird sehr schnell zweitrangig.

Ich muss sagen, anfangs kam ich nur schwer in dieses Buch hinein. Es ging sehr schleppend voran und ich fragte mich, was die ganzen Geschichten, die Scout, Jem und Dill miteinander erlebten, mit der eigentlichen Geschichte des wegen Vergewaltigung angeklagten Tom Robinson zu tun haben sollte. Besonders verwirrend fand ich das im ersten Teil des Buches, da es hier eher um Boo Radley, den Nachbars“jungen“ ging, den weder Scout noch Jem bisher gesehen hatten und der sein Elternhaus schon seit Jahrzehnten nicht mehr verlassen hatte.

Doch nach und nach kam ich immer mehr in die Handlung des Buches hinein. Die Charaktere mochte ich von Anfang an. Allen voran Atticus, der seinen beiden Kindern, trotz dass er alleinerziehend und berufstätig ist, ein wahrer Bilderbuchvater ist. Für die Zeit, in der das Buch spielt, lässt er seinen Kindern der Meinung der damaligen Gesellschaft nach viel zu viel durchgehen, aber der heutigen Zeit nach beurteilt, sind seine Erziehungsmethoden so gut wie vorbildlich.

Auch Jem und Scout waren mir sehr schnell sympathisch, obwohl Jem Scout anfangs, als beide noch jünger sind, immer mal wieder dazu nötigt, an Aktionen teilzunehmen, vor denen sie Angst hat, wie zum Beispiel sich zur Hintertür des Radley-Hauses zu schleichen und Nachrichten an Boo Radleys Fenster zu hängen. Allerdings gehört das wahrscheinlich zum ganz normalen Verhältnis eines großen Bruders zu seiner kleinen Schwester.

Was mir außerordentlich gut gefallen hat, sind die Moralvorstellungen, die das Buch vermittelt. Es geht um eine Gerichtsverhandlung in den 1930er Jahren in Amerikas Süden, während der ein Exempel an einem schwarzen Mitbürger statuiert werden soll. Das Buch beschönigt nichts, die Geschehnisse sind realistisch, allerdings zeigt es auch auf, dass es durchaus Leute gab, die mit der Unterdrückung von Menschen mit anderer Hautfarbe eben nicht einverstanden waren und immer wieder für deren Rechte eintraten, in der Hoffnung, dass sich diese schlimme Situation irgendwann vielleicht ändern würde.

Der Umgang Scouts mit der seltsamen Blindheit ihrer Lehrerin, die vehement gegen Hitler ist, aber gleichzeitig nicht zu sehen scheint, dass in ihrem eigenen Land Menschen aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Hautfarbe diskriminiert werden, hat mich sehr berührt und nachdenklich gemacht.

Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten, die ich mit diesem Buch hatte, bin ich sehr froh, es gelesen zu haben und kann es nur weiterempfehlen. Es wird einen auch nachdem man es gelesen hat, weiter beschäftigen.