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megchen

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Schuldig - Jodi Picoult, Klaus Timmermann, Ulrike Wasel Die vierzehnjährige Trixie wird von ihrem Freund Jason verlassen, was sie in tiefe Verzweiflung stürzt. Jason war ihre große Liebe und jetzt soll das alles einfach so vorbei sein, nur, weil Jason das möchte. Es tut ihr weh, ihn in der Schule mit einer anderen sehen zu müssen und es schmerzt ebenfalls, von ihm nach hause gefahren zu werden und dabei genau zu wissen, dass zwischen ihnen nichts mehr so ist, wie es vor einigen Tagen noch war. Sie hofft, Jason auf einer Party eifersüchtig zu machen und ihm vor Augen zu führen, dass seine Entscheidung, sich zu trennen, falsch war. Doch dann wird Trixie auf dieser Party von Jason vergewaltigt und als Jason wenig später stirbt, ist das Leben, wie Trixie und ihre Eltern es führten, nicht mehr möglich und die Familie droht an den Ereignissen und auch an den Geheimnissen, die jeder vor den anderen hat, zu zerbrechen.

Ich hatte ja schon „Beim Leben meiner Schwester“ und „90 Minuten“ von Jodi Picoult gelesen und war daher sehr gespannt, ob dieses Buch den anderen Büchern ähneln würde oder nicht und vor allem, ob es mir genauso gut gefallen würde, wie die anderen beiden Bücher. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Besonders spannend fand ich den Umstand, dass ich als Leser zu Anfang des Buches völlig davon überzeugt war, dass Trixie wirklich von Jason vergewaltigt worden war, ich mir einige Kapitel danach dann aber nicht mehr hundertprozentig sicher war. Jodi Picoult schafft es, bei solch heiklen Themen wie Vergewaltigung und selbstverletzendem Verhalten einerseits die Handlung realistisch und nicht zu subjektiv dazustellen, aber andererseits fühlt man mit jedem ihrer Charaktere. Ihre Bücher handeln immer von Themen, die sehr schwierig sind, sie schafft es aber, einem viele mögliche Meinungen und Sichtweisen auf dieses Thema nahezubringen, ohne dabei irgendeine dieser Meinungen oder Sichtweisen zu werten. Und das ist es, was ihre Bücher zu etwas besonderem macht.

Ein weiteres Highlight dieses Buches waren die Comics, die zwischen den einzelnen Kapiteln auftauchten und die ebenfalls die Handlung vorantrieben. Trixies Vater ist von Beruf Comiczeichner und verarbeitet die Geschehnisse in seinem neuesten Comic. Mir hat es nichts ausgemacht, immer wieder von Fließtext im Roman in Comicform zu wechseln, ich fand es toll.

Das einzige Manko dieses Buches ist für mich der Umstand, dass man als Leser keinen wirklichen Einblick in Jasons Gefühlswelt bekam. Man durfte nicht erfahren, wie Jason die Geschehnisse erlebte, was mich selbst sehr interessiert hätte. Der Schluss hat mich irgendwie auch nicht so richtig zufriedengestellt. Ich weiß, dass in Büchern von Jodi Picoult die Schuldfrage eigentlich nie geklärt wird und eigentlich mag ich offene Enden sehr, aber diesmal erschien mir das Ende des Buches irgendwie zu einfach, weil keine einzige Frage geklärt war.

Alles in allem lohnt es sich aber trotzdem, das Buch zu lesen.