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megchen

Seitenrascheln

Extrem laut und unglaublich nah - Jonathan Safran Foer, Henning Ahrens „Und alles wäre gut gewesen.“

Mit diesem wunderschönen, traurigen Satz endet „Extrem laut und unglaublich nah“, das ich gerade ausgelesen habe. Und dieses Buch hat mich sehr stark berührt. Ich hatte - was ich eigentlich sonst zu vermeiden versuche – die Verfilmung gesehen, bevor ich das Buch gelesen hatte. Jetzt weiß ich: Das macht nichts, denn die Verfilmung fand ich genauso schön, berührend und traurig wie das Buch.

Thomas, der Vater des achtjährigen Oskar Schell und Besitzer eines Juweliergeschäfts war am 11, September 2001 im Word Trade Center und wurde getötet. Wie, weiß niemand, seine Familie beerdigte einen leeren Sarg. Oskars Vater gab Oskar zu seinen Lebzeiten ständig Rätsel auf, erzählte ihm phantastische Geschichten und spornte Oskar an, herauszufinden, ob diese denn auch der Wahrheit entsprächen, oder ob er sie sich nur ausgedacht hatte.

Eines Abends, als Oskar sich die Sachen seines verstorbenen Vaters ansieht, fällt eine blaue Vase, die auf dem Schrank steht, herunter und Oskar hält plötzlich einen Briefumschlag in der Hand, in dem ein Schlüssel steckt. In welches Schloss passt der Schlüssel wohl? Und was hat es mit dem Wort „Black“ auf sich, das auf der Rückseite des Briefumschlages steht? Nachdem selbst der Inhaber eines Schlüsselgeschäfts Oskar nicht sagen kann, was das für ein Schlüssel ist, den er gefunden hat und ihn auf die Idee bringt, „Black“ könne auch einfach ein Nachname sein, beginnt Oskars großes Abenteuer.

Er fängt an, jeden einzelnen Menschen mit dem Nachnamen Black in New York einen Besuch abzustatten. Und da Oskar nur einen Rucksack und sein Tamburin dabei hat, dass er immerzu schütteln muss und seine Samstäglichen Reisen zu Fuß absolvieren muss, da er Angst hat, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, ist er lange auf der Suche. Eine Suche, von deren Ausgang er nicht die leiseste Ahnung hat, die ihn aber mit jedem Samstag seinem Vater näher bringt und auf der er die Bekanntschaft mit den unterschiedlichsten Menschen macht.

Immer abwechselnd mit den Ereignissen der Gegenwart, erfährt man, was im Leben von Oskars Großeltern vor sich ging, wie und unter welchen Umständen sie sich 1945 in Dresden kennenlernten, einander verloren und sich einige Zeit später wiederfanden. Und warum Oskars Großvater gehen und seine Frau zurücklassen musste.

Am rührendsten fand ich die Erklärung, warum Oskars Mutter nichts zu seinen manchmal bis in die Nacht dauernden Ausflügen sagt – das spielt im Buch zwar eine nicht so große Rolle wie im Film, aber ich fand diesen Umstand ganz besonders toll.

„Extrem laut und unglaublich nah“ ist ein wunderbares, sehr trauriges, aber trotzdem lebensbejahendes Buch, das ich sehr gern gelesen habe. Es lässt mich mit einem wehmütig-traurigen Gefühl zurück.