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Sprechende Männer: Das ehrlichste Buch der Welt - Maxim Leo, Jochen-Martin Gutsch Während ich in Bielefeld gewohnt habe, habe ich an manchen Wochenenden exzessiv WDR 2 gehört. Und an einem Sonntag Mittag haben sie auf WDR 2 das Buch „Sprechende Männer“ vorgestellt. Maxim Leo und Jochen-Martin Gutsch sind beides Männer um die 40. Sie sind auf dieselbe Schule gegangen, kannten sich als Kinder aber nicht enger und verloren sich dann aus den Augen. Nach vielen Jahren finden sie sich dann plötzlich als Kollegen wieder und ein Redakteur macht ihnen das Angebot, ein Gespräch zu führen.

„Zwei Männer, die ein Frauengespräch führen. Klasse!“ Und so fangen die beiden an, sich jeden Tag Mails zu schreiben, unendlich viele Mails, sie führen ein E-Mail-Gespräch. Und über was unterhalten sich „sprechende Männer“ so? Man darf verraten: Es geht nicht ein einziges Mal um Fußball oder Autos. Es geht um Frauen, um Liebe, um Sehnsucht und ob man(n) welche haben sollte. Es geht um Gefühle und Sex, um Bindungsangst, um die Angst, etwas zu verpassen, die Angst, ein langweiliges Leben zu führen.

Dieses Gespräch verspricht viele Klischees, da Maxim schon seit 17 Jahren mit derselben Frau zusammen ist. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder, ist verantwortungsvoller und treusorgender Familienvater. Und dann ist da Jochen, der mit 39 immer noch überzeugter Single ist und sehr glücklich damit. Er möchte sich eigentlich nicht vom Gegenteil überzeugen lassen, möchte sich von den ganzen „Pärchen-Menschen“ nicht missionieren lassen. Teilweise konnte ich Maxims Meinung besser nachvollziehen, allerdings konnte ich Jochen sehr gut verstehen, als er berichtete, wie er von allen möglichen Leuten immer als „unfertig“, als komisch angesehen wird, als jemand, dem etwas entscheidendes fehlt im Leben, nur weil er keine Frau und keine Familie hat und das eigentlich auch gar nicht will. Nur manchmal, da hat er solche „Sehnsuchts-Anfälle“, die sind dann aber auch schnell wieder vorbei.

Und Maxim, der ist überzeugter Monogamist und ist glücklich mit seinem Leben. Er bekommt zwar, wenn er einkaufen gehen soll, Zettel mit genauen Anweisungen, die in Ausrufezeichen enden, geschrieben und an manchen Tagen auch ganze To-do-Listen, aber er liebt seine Frau Catherine und kann sich nicht vorstellen, eine andere Frau zu lieben. Er lässt sich da von Jochen auch nicht einreden, sein Leben sei Langweilig, nur weil es viele Rituale beinhaltet.

Ich fand es sehr unterhaltsam und spannend, diesem sehr ausführlichen Männergespräch zu lauschen, mir hat das Buch sehr gut gefallen und mich stellenweise sehr sentimental und rührselig gemacht. Ich kann nur jedem empfehlen, es auch zu lesen – es lohnt sich!