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Seitenrascheln

Superdaddy - Sören Sieg Dieses Buch habe ich bei vorablesen.de gewonnen. Danke dafür! Die Leseprobe, die aus den ersten zwei Kapiteln bestand, war eigentlich ganz witzig und so war ich gespannt, wie es dann sein würde, das ganze Buch zu lesen. Ich hatte es in einem Tag durchgelesen, weil einen die locker-flockige Art des Autors zu erzählen, doch immer zum Weiterlesen animierte, aber…

Es geht um Philipp, der seine Frau Charlotte und seine drei Kinder Lola, Lasse und Linus sehr liebt. Aber irgendwie kommt er in dieser Familie immer unter die Räder, da die Interessen aller anderen grundsätzlich wichtiger sind als seine eigenen. Charlotte ist eine Karrierefrau, wie es im Buche steht, sie hat zusammen mit Philipp Soziologie studiert und das Wichtigste in ihrem Leben ist momentan, eine Doktorandenstelle zu bekommen, um zu promovieren. Was mit den Kindern und dem Haushalt ist, interessiert sie dabei wenig. Dafür ist Philipp zuständig, der zwar einige wenige und schlecht bezahlte Auftritte als Comedian hat und wöchentlich eine Kolumne herausbringt, ansonsten aber hauptberuflich Hausmann und Papa ist. Ein „Superdaddy“ eben.

Deshalb bringt er auch seine Agentin zur Weißglut, da er mitten in einem Auftritt verschwindet, weil sein kleiner Sohn sich die Hand verbrannt hat und er es als seine Pflicht ansieht, nach hause zu fahren und ihn zu trösten. Während Philipp jeden Morgen aufsteht, versucht die Kinder wach zu bekommen und zu erreichen, dass sie mit Frühstück im Bauch möglichst pünktlich in der Schule ankommen, schläft Charlotte lieber aus und bringt dafür die Kinder ins Bett. Da kann es dann aber auch einmal halb zehn werden, bis Linus und Lasse, die 7 und 9 Jahre alt sind, im Bett liegen und schlafen.

Um über all dies zu reden, schleppt Philipp Charlotte schließlich zu einer Paartherapeutin, aber während Philipp noch Hoffungen hat, dass diese Frau ihnen helfen kann, möchte Charlotte einfach nur, dass alles so weiterläuft wie bisher und Philipp endlich aufhört zu jammern. Es scheint aussichtslos, dass sich an seiner Lage jemals etwas ändern wird, als ein Freund aus Studienzeiten Philipp den Tip gibt, in seiner Kolumne über seine Familie zu schreiben und ihm zu einem Video über das „Eisdielenmassaker“ verhilft, in dem er seine Familie und sein „Vater-Sein“ in eine Comedy-Nummer einbaut. Dieses Video bekommt immer mehr Klicks und schließlich bekommt Philipp sogar seine eigene Sendung: „Deutschland sucht den Superdaddy“, in der drei Kandidaten gegeneinander antreten und die Zuschauer schließlich einen von ihnen jeden Monat zum Superdaddy wählen.
Doch Philipp ist jetzt plötzlich kein „Superdaddy“ mehr, da sein Terminkalender vor Terminen überquillt und er sogar an seinem 40. Geburtstag vom Hotel aus mit seiner Familie skypen muss, statt zuhause zu sein.

Irgendwann muss er sich entscheiden: Karriere oder Familie? Und ob Charlotte ihm in diesem Punkt auch nur ein bisschen entgegenkommt und einmal nicht nur an ihre Karriere und ihre Doktorandenstelle denkt, ist ziemlich ungewiss…

Aufgrund der Schreibweise war dieses Buch toll zu lesen und ich habe es auch echt schnell gelesen, da mir der Hauptcharakter Philipp eigentlich ganz sympathisch war. Der Autor hat das typische Rollenklischee innerhalb einer Familie einfach umgedreht – der Mann kümmert sich um die Kinder und verhält sich insgesamt sehr gluckenhaft, während die Frau nur ihre Karriere im Kopf hat. Man könnte Charlotte durchaus als Rabenmutter bezeichnen und ich fand es sehr schade, dass einem als Leser dieser Charakter so unsympathisch ist.
Die drei Kinder sind eher Nebencharaktere als Hauptcharaktere. Luna ist die typische Teenager-Tochter, die erste Erfahrungen mit der Liebe macht und ansonsten rumzickt und Linus und Lasse tauchen eigentlich immer nur auf, um ihrem Vater die Tour zu vermasseln (wenn er mitten in einem Auftritt flüchtet, um bei seinen Kindern zu sein) oder haben einen ganz wichtigen Auftritt oder Kletterwettbewerb und setzen so Philipps schlechtem Gewissen zu, weil er nicht da sein kann. Allerdings wissen sie auch sehr genau, was sie an ihrem Vater haben, da ihre Mutter ja nur selten Zeit für sie hat. Sie sind sich im Klaren, dass sie einen echten „Superdaddy“ als Vater haben.

Was ich auch sehr nervig fand, waren die immer wieder eingestreuten kleinen Spitzen gegenüber den Schwaben. Vielleicht ist mir das speziell aufgefallen, da ich aus Baden-Württemberg komme, aber ich zumindest fand es nicht sonderlich witzig und ich kann sonst sehr gut auch über Schwaben lachen.

Alles in allem war es ein ganz nettes Buch, das ich mir irgendwie unterhaltsamer und witziger vorgestellt hatte. Aber als leichte Lektüre für den Urlaub ist es auf jeden Fall geeignet.